Blu-Ray: Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt

Veröffentlicht am 18. November 2010

Ich versteh’s einfach nicht! Das muss ich jetzt vorab loswerden: „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ ist für mich der Film des Jahres und trotzdem war es finanziell einer der größten Flops dieses Jahr. Der hat nicht mal seine Produktionskosten von 60 Mio Dollar wieder reingeholt – Einspielergebnis im Kino: „nur“ 45 Mio Dollar weltweit… unglaublich. Dabei ist meine hohe Meinung zu dem Film keine wirre Einzelmeinung:

Wertungen:
IMDB: 8,0 von 10 Punkten
Moviemaze: 86%
Moviepilot: Kritiker 7.5 von 10 Punkten, Fans 8.1 von 10 Punkten
IGN: 4 von 5 Sternen
Spiegel Online: „Dieser Film ist ein Fest für Comic- und sonstige Liebhaber“
Amazon: 4 von 5 Sternen

Ok, durchschnittlich liegt das bei grob 8 von 10 Punkten, das ist aus Kritiker-Sicht nicht Film des Jahres Niveau – aber überdurchschnittlich gut. Warum funktioniert der Film also an der Kinokasse nicht? Immerhin hat sogar der genauso schräge, aber weniger witzige und dafür viel brutalere Kick-Ass seine Produktionskosten dreimal wieder eingespielt.

Zugeben, die Story ist auf den ersten Blick seltsam, aber im Grunde einfach nur ne Lovestory: In „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ geht’s um, man mag es kaum glauben, einen Typen namens Scott Pilgrim. Der hat sich in ein Mädchen namens Ramona Flowers verliebt und muss deshalb ihre sieben teuflischen Exfreunde im Kampf besiegen. Klingt unlogisch? Im Film gibt es eine Erklärung dafür. Die wird hier aber nicht verraten.

Wer ist also dieser Scott Pilgrim und was ist so besonders an ihm?

1. Scott Pilgrim ist ein arbeitsloser Slacker, der mit seinem schwulen Mitbewohner in einem Appartement wohnt – und sich mit ihm sogar das Bett teilt.
2. Scott Pilgrim spielt in einer ziemlich erfolglosen Rock Band, den Sex Bob-Ombs.
3. Scott Pilgrim kriegt eigentlich nie was richtig auf die Reihe. Aber das mit Ramona, das will er hinkriegen.
4. Und deswegen nimmt er die total absurde Herausforderung der sieben Exfreunde tatsächlich an.

Die teuflischen Exfreunde sind natürlich nicht irgendwelche langweiligen Typen, sondern total abgedrehte, überzeichnete Freaks. Beispiel: Ein Rockstar, der Veganer ist und durch seine Veganer-Spezialausbildung Psi-Kräfte entwickelt hat. Und damit Scott Pilgrim ganz schön zusetzt. Zum Glück entwickelt auch Scott ungeahnte Kräfte, wenn es darum geht das Herz von Ramona zu erobern. Die Begegnungen mit den Exfreunden erinnern dank Spezialattacken und überdrehter Inszenierung an Boss-Kämpfe aus Videospielen. Und sehen echt gut aus – da könnte sich manch teurerer Film eine Scheibe von abschneiden.

„Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ ist ein Film, den man anschauen und auf sich wirken lassen muss. Und das mein ich jetzt nicht im Sinne von: „Den versteht eh keiner, also lasst einfach die Bilder auf euch wirken“ – Sondern eher im Sinne von: „Er transporiert einfach ein gutes Feeling“. Er ist so abgedreht, schräg, witzig und trotzdem menschlich, das man einfach mitgerissen wird. Außerdem verkörpert er wie kaum ein anderer ein jugendliches Lebensgefühl, dass von Rock, Videospielen und Comics geprägt ist.

Wahrscheinlich hat er deswegen auch manchen Leuten nicht gefallen: Die Generation 35+ kann vermutlich mit den Themen nicht so viel anfangen, weil sie damit nicht aufgewachsen ist. Aber so, wie der Film an der Kinokasse gelaufen ist, haben ihn sich scheinbar nicht mal die Jüngeren angeschaut… Oder leben wir ernsthaft in einer Welt, in der oberflächliches, zwanghaft dramatisiertes Geschnulze à la Eclipse mehr Leute in die Kinosäle bringt als ein lebensbejahend-witziger Film über die Liebe wie Scott Pilgrim? Ich hoffe doch nicht… auch wenn die Beweislage vernichtend ist.

Ich kann hier nur alle dazu aufrufen, die den Film nicht kennen: Schaut ihn euch an! Ihr werdet es nicht bereuen!

Oder gebt wenigstens dem Trailer eine Chance:



Oder kauft einfach die tolle Blu-Ray (oder die DVD, oder den Comic, oder ):



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