Im Kino: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1

Veröffentlicht am 22. November 2010

Freitag war ich im neuen Harry Potter Film: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ – Teil 1. Um die Geschichte des 768 Seiten starken siebten Buchs möglichst vollständig erzählen zu können, bringen sie den Film tatsächlich in zwei Teilen ins Kino. Vom Ansatz her sehr löblich, aber hätte man das nicht schon beim immerhin 1024 Seiten dicken „Harry Potter und der Orden des Phönix“ machen können? Nachdem man in den vorherigen Filmen die Story also wüst verstümmelt hat, erzählt man das siebte Buch jetzt „für die Fans“ in zwei Filmen… die nebenbei doppelt soviel Umsatz generieren. Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Der Geschichte tut’s trotzdem gut.

Kurz zur Geschichte

(Vorsicht, es kommen jetzt einige Spoiler für Leute die die Geschichte nicht kennen!)

Dumbledore ist tot, Voldemort übernimmt die Macht im Lande und Harry, Ron und Hermine sind auf der Flucht. Zauberer und Hexen, die keinen lupenreinen Abstammungs- und Magierblut-Nachweis bringen können, werden verfolgt, verschleppt und größtenteils ermordet. Hogwarts wird unter die Kontrolle von Snape gestellt, zwei Todesser im Lehrkörper kontrollieren die Schüler auf Voldemort-Loyalität. Und es bleibt nur eine Chance für die guten Magier: Voldemort muss sterben!

Das geht aber nur, soviel verrät Dumbledore vor seinem Tod noch, wenn alle sogenannten Horkruxe zerstört werden. In diesen magischen Artefakten bewahrt der dunkle Lord Teile seiner Seele auf, und solange diese existieren wird er immer wieder von den Toten auferstehen. Dummerweise lässt sich theoretisch alles als Horkrux verwenden, was irgendeine physische Erscheinung hat. Und gleichzeitig lassen sich Horkruxe nur durch extrem starke und zerstörerische Substanzen vernichten – zum Beispiel durch Basilisken-Gift. Das hat man ja auch nicht eben so zur Hand.

Das ist die Ausgangslage des Films. Harry und seine Gefährten verstecken sich auf ihrer Flucht vor den Todessern an immer neuen Plätzen – in Sirius Blacks Haus, irgendwo im Hinterland, in der freien Natur… Gleichzeitig suchen sie nach Wegen, die Horkruxe von Voldemort zu finden und zu zerstören. Dabei statten sie einigen alten Bekannten einen Besuch ab, kommen aber auch in neue Gegenden. Und irgendwann so halbwegs mittendrin ist dann Teil 1 zu Ende.

Meine Meinung

Gleich vorneweg: Ich kenne das Buch und kann den Film deshalb nur mit diesem Hintergrundwissen beurteilen. Deshalb finde ich den Film ehrlich gesagt ein bißchen schwierig. Er ist definitiv unterhaltsam und gut gemacht, aber hat auch unnötige Schwächen, die den Eindruck wieder abwerten.

Ein großes Problem für mich war das Timing im Film. Es gibt einige wirklich wichtige und interessante Aspekte des Buchs, die stark gekürzt gezeigt werden. Das ist ok, im Film muss man ja immer etwas kürzen. Problematisch find ich’s deswegen, weil viel Filmzeit mit belanglosen oder unwichtigen Szenen verschwendet wurde. Man hat irgendwie versucht möglichst jede Szene unterzubringen. Leider wurden einige davon so gekürzt, dass es besser gewesen wäre, sie im Sinn der wichtigeren Momente einfach wegzulassen.

Zum Beispiel die Hochzeit: Erstens kommt diese Szene ohne irgendeine Vorwarnung daher – plötzlich ist eben die Hochzeitsfeier. Zweitens trägt sie in der gezeigten Form nichts mehr zur Geschichte bei, weil die wichtigen Begegnungen und Gespräche aus dem Buch einfach weggelassen wurden – oder so stark gekürzt, dass sie keinen Sinn mehr ergeben. Da hätte man sich die Szene gleich schenken können und den Verlauf der Geschichte an der Stelle etwas anpassen können. Die Todesser könnten den Fuchsbaum auch direkt angreifen, und schon wären wertvolle Filmminuten für andere Szenen gewonnen. Dann hätte man zum Beispiel die Entwicklung der Beziehung zu Kreacher sinnvoller darstellen können. Und sich überlegen können, ob man die 20-Sekunden Hogwarts-Express Szene entweder streicht oder so ausbaut, dass sie irgendwas zur Handlung beiträgt – ausser Bilder für den Trailer zu liefern.

Was mir auch nicht gefallen hat, waren die emotionalen Momente im Film. Irgendwie treffen die einfach nicht den Punkt – sie wirken entweder zu überzogen, weil sie ohne Vorgeschichte oder sonstige Vorbereitung daherkommen, oder einfach nur flach. Zum Beispiel reagiert Hermine auf Ron’s Rückkehr wahnsinnig emotional und verletzt – dumm nur, dass man davor nichts davon mitbekommen hat, wie sehr sie ihn vermisst. Und wieso leidet Harry im Film eigentlich nicht unter der Trennung von Ginny? Der Beziehung wird nach einem kurzen Kuss am Anfang des Films keine weitere Sekunde gewidmet. Entweder man greift diese Liebesthemen auf und zieht die dann auch durch, oder man lässt es eben und deutet sie nur an. So wirken die einfach nur halbgar.

Aber trotz der Schwächen gibt’s auch viel Gutes am Film. Die Szene in Godric’s Hollow ist zum Beispiel super inszeniert, die Geschichte um die Heiligtümer des Todes sehr gut erzählt und animiert und die Bilder und Einstellungen sehen allgemein wieder bombastisch aus. Der Film hat einen sehr realistischen Look, in dem die Spezialeffekte gut eingebaut wurden. Dazu ist die Geschichte spannend. Das ist zwar eher ein Verdienst des Buchs als des Films, aber im Vergleich zu anderen Filmen setzt sich „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ dadurch positiv ab.

Stört es, dass der Film zweigeteilt wurde?

Kurz und knapp: Ja. Es stört mich nicht, weil es deswegen viel länger wird, das finde ich gut. Es stört mich, weil der Film mittendrin aufhört und der nächste Teil erst in einem halben Jahr anläuft.

Man kann sich das so vorstellen, als würde man „Herr der Ringe – Die Gefährten“ anschauen und der Film endet, wenn Frodo in Bruchtal ankommt: Die Reise dahin ist gut inszeniert und die Szenen im Auenland sehr stimmungsvoll. Aber dem Film würde einfach was fehlen, man hätte am Ende das Gefühl es ist noch nichts wichtiges passiert. Und genauso ist es mit „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1“: Es gehört zu Geschichte, es kommen wichtige Szenen vor, es ist stellenweise gut inszeniert – aber man hat am Ende das Gefühl, das wichtigste fehlt. Wenn man den Film zusammen mit Teil zwei anschaut wird man das sicher nicht mehr so empfinden, aber so wie er jetzt im Kino läuft ist es eben so.

Mein Fazit

Mir hat „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1“ trotz aller Schwächen gut gefallen. Und er ist sicher in Kombination mit Teil 2 ein wirklich sehenswerter Film. Harry Potter Fans kommen eh nicht umhin, sich den Film sofort anzuschauen. Wen der Film aber nicht so interessiert, der sollte sich überlegen in ein Double Feature zu gehen, wenn Teil 2 rauskommt – dann erlebt man wenigstens die ganze Geschichte.

Wie immer hab ich zum Abschluss noch den deutschen Trailer rausgesucht:

Und wer sich für den Film interessiert wird hier fündig:



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