PC: Mass Effect 2

Veröffentlicht am 10. März 2011

Kurz vor dem Release von Dragon Age 2 bin ich wohl etwas spät dran mit Mass Effect 2, aber was soll ich sagen… es hat sich eben jetzt erst ergeben. Und das paradoxerweise sogar wegen Dragon Age 1, das ich eigentlich zu Ende spielen wollte. Eigentlich. Denn leider hatte die Spiel-DVD da scheinbar was dagegen und ist spontan verschollen. Wo ich dann aber schon am PC saß und Zocken wollte, hab ich halt die Mass Effect 2 DVD eingelegt. Da hatte ich Teil 1 zumindest schon durch. Ich wusste ja nicht, was ich da wieder anfange…

Was ist dieses Mass Effect 2 überhaupt

Mass Effect 2 ist ein SciFi-Rollenspiel aus dem Hause Bioware, eine altgediente Spieleschmiede mit Fokus auf komplexe PC-Rollenspiele. Unter anderem sind Bioware-Spiele bekannt für eine tiefgründige Story, eine filmreife Inszenierung, interessante Charaktere und ein freies Moralsystem – soll heißen, dass man vollkommen frei entscheiden kann, ob man sich eher selbstlos und heldenhaft oder egoistisch und rücksichtslos verhält. Mass Effect legt den Fokus im Vergleich zu anderen Rollenspielen mehr auf Action und Inszenierung, bietet aber ansonsten die typischen Bioware-Stärken.

Das Spielprinzip von Mass Effect 2

Mass Effect 2 mischt das klassische Rollenspiel mit Elementen aus First-Person-Actionspielen. Auf Screenshots wirkt es ein bißchen wie ein Shooter, das täuscht aber. Grundsätzlich hat das Spiel nämlich vier Hauptelemente, mit denen man seine Zeit verbringt:

  1. Das Raumschiff: Das Raumschiff dient als Basis, ein bißchen wie das klassische Dorf in den alten Rollenspielen. Hier rüstet man sich aus, erforscht neue Upgrades für Schiff und Equipment, unterhält sich mit den Crewmitgliedern, beginnt Romanzen und entscheidet, wohin man fliegen möchte.
  2. Raumstationen und Planeten: Hier trifft man Auftraggeber, unterhält sich mit Bewohnern, erfährt Neues aus dem Universum und kauft neue Ausrüstung.
  3. Ressourcen-Sammeln: Man kann jeden Planeten innerhalb verschiedener Sonnensysteme und Galaxien anfliegen um ihn nach Besonderheiten und Ressourcen zu scannen. Die Galaxie von Mass Effect ist gigantisch, so das man eine Zeit beschäftigt ist wenn man wirklich alles erkunden will. Die gesammelten Ressourcen braucht man für die Forschung. Das Ganze klingt aber leider spannender als es ist. Abgesehen von Anomalien, die meistens neue Nebenquests auslösen, läuft es doch recht oft auf ein ödes Absuchen der Planetenoberfläche mit der Maus hinaus.
  4. Missionen: Diese finden zwar auch auf Raumstationen und Planeten statt, sind aber meist vom ungefährlichen Teil der Erkundung abgetrennt. Hier wird gekämpft, verhandelt, bedroht und überzeugt was das Zeug hält, bis die jeweilige Aufgabe erfüllt ist. Wobei Kämpfe schon den größeren Anteil der Missionen einnehmen.

Innerhalb der Elemente des Spiels verbringt man seine Zeit entweder mit Dialogen oder Kämpfen.

Das Gesprächs-System ist grundsätzlich gut gelungen. Man kann zu bestimmten Bereichen nachfragen, auf Leute freundlich oder unfreundlich reagieren, die Gesprächspartner von der eigenen Sache überzeugen oder sie einschüchtern und manchmal sogar heldenhafte Aktionen vollbringen. Alle Gespräche sind gut vertont. Einziger Nachteil: Es ist extrem offensichtlich was die „gute“ und „böse“ Antwort in jedem Gespräch ist, es gibt also keine Entscheidungen in moralischen Grauzonen. Das macht es zwar einfacher, entweder ein strahlender Held oder ein rücksichtsloser Egoist zu werden, aber es nimmt auch die Spannung aus den Gesprächen – man kann sich darauf verlassen, dass man immer irgendwie positiv aufgenommen wird wenn man die „gute“ Antwort klickt. Die Charaktere, auf die man trifft, unterstützten übrigens nicht grundsätzlich die gute Seite – wer immer den Helden spielt kommt deswegen noch lange nicht gut mit allen aus.

Die Kämpfe laufen aus der Ego-Perspektive des Hauptcharakters ab. Man hat zwei Gruppenmitglieder dabei, denen man Befehle erteilen kann, aber nötig ist das – zumindest auf normalem Schwierigkeitsgrad – selten. Man kann wie in einem Shooter mit der bevorzugten Waffe auf die Feinde schießen oder aber Spezialtalente auslösen. Außerdem kann man jederzeit pausieren um Waffen zu wechseln, den Gruppenmitgliedern Befehle zuzuordnen oder koordiniert Fähigkeiten auszulösen. Eine mögliche Kombination ist zum Beispiel mit einem Charakter die Schilde der Feinde auszuschalten und mit einem anderen die Gegner einzufrieren um dann mit einem dritten Charakter sofort einen starken Angriff auf die Feinde zu starten, der die Gegner dann sofort zerstört. Die Kämpfe gehen gut von der Hand und machen viel Spaß. Für sehr traditionelle Rollenspieler bieten sie aber wahrscheinlich zu wenig Taktik, für Shooter-Experten zu wenig Tempo.

Die Geschichte von Mass Effect 2

Eins vorweg: Mass Effect ist als Trilogie angelgt. Wer Teil 1 nicht kennt, sollte erstmal den spielen und hier das Weiterlesen einstellen. Für alle die weiterlesen: Ich verrate nichts aus Teil 2, was man nicht innerhalb der ersten Viertelstunde selbst erfährt, aber auf Teil 1 nehm ich keine Rücksicht.

Die Story bis jetzt:

In Mass Effect 1 entdeckt Commander Shepard eine gigantische Bedrohung allen Lebens im All: Die Reaper. Dummerweise ist es bei der Entdeckung schon fast zu spät, die Gefahr abzuwenden, denn der entdeckte Reaper greift mitsamt seiner Streitmacht aus Geth die Raumstation Citadel an. Mit vereinten Kräften aller Alien-Rassen und übermenschlichen Anstrengungen seitens Shepard kann der Angriff aber zurückgeschlagen werden und es kehrt wieder etwas Ruhe im Universum ein.

Und so beginnt Mass Effect 2:

Etwas später wird Shepard mitsamt Schiff und Crew von einem unbekannten Raumschiff angegriffen und stirbt dabei. Zumindest glauben das alle. Aber Shepards wird kurz vor dem Tod von Cerberus geborgen, einer Organisation, die Shepard in Teil 1 noch bekämpft hat. Cerberus setzt sich für eine Stärkung der Menschheit um jeden Preis ein und übersieht dabei ganz gerne mal die Grenzen von Moral oder Menschlichkeit. Die Organisation hat aber mächtige Verbündete und enorme Ressourcen und schafft es in einem Mammutprojekt, Shepards Körper komplett zu regenerieren. Shepard wacht also plötzlich auf einer Station von Cerberus auf, während diese angegriffen wird. Und damit endet der Prolog nach etwa 20 Minuten.

Es gibt viele Fragen zu klären: Wer hat Shepard angegriffen? Was ist aus seiner Crew geworden? Was will Cerberus von ihm? Und was ist eigentlich aus den Reapern geworden?

Die Geschichte hat ein angenehmes Erzähltempo, erstreckt sich über gut 50 Stunden (mit DLC, aber dazu später mehr) und ist aufwändig inszeniert. Es gibt interessante Charaktere mit tief ausgearbeiteten Hintergründen, Begegnungen mit alten Bekannten und eine Reihe Entscheidungen zu treffen. Soviel vorweg: Das Ende wird zu einem großen Teil von den Entscheidungen im Spiel beeinflusst.

Insgesamt würde ich sagen der Weg ist hier das Ziel. Die vielen Nebengeschichten um die Charaktere und die Orte, die man besucht, machen einen Großteil des Reizes am Spiel aus. Die Hauptgeschichte verbindet all die kleinen Elemente und bleibt bis zuletzt spannend, aber wenn es die Neben-Stories nicht gäbe wäre das Spiel nur halb so gut.

Zu den downloadbaren Zusatzinhalten werde ich einen eigenen Blog Post schreiben, das würde hier ausufern. Aber da wird auch nochmal einiges geboten.

Mein Fazit zu Mass Effect 2

Ich kenn einige Leute, die Mass Effect 2 für zu Mainstream-orientiert halten und meinen, es wäre kein richtiges Rollenspiel. Darüber könnte man jetzt bestimmt ewig diskutieren: Es bietet eben wenige richtige „Skills“, die Kämpfe erinnern an Shooter und die Missionen sind doch sehr geradlinig. Aber ich find die Diskussion irgendwo überflüssig: Es macht trotz allem einfach Spaß!

Ich bin kaum vom PC weggekommen, und das trotz akutem Zeitmangel. Ich hab die Story genossen, ich hab die unterschiedlichsten Missionen erlebt, ich hab mit faszinierenden Charakteren gesprochen, das Universum erkundet und dabei nie darüber nachgedacht, dass ich jetzt gerne meine Attribute leveln würde oder meine Ausrüstung statistisch auswerten möchte. Wer das braucht, ist hier bestimmt falsch aufgehoben. Zum Abschalten nach Feierabend ist Mass Effect 2 aber genau das richtige. Und deswegen bekommt’s von mir auch eine klare Empfehlung.



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