Tatort Bäcker

Veröffentlicht am 27. Oktober 2010

Heute morgen stand ich wie jeden morgen vor der Arbeit im Bäcker, frisches Croissant in der einen und eiskaltes Red Bull in der anderen Hand. Meine Arbeitskollegin kippte Milch in ihren Coffee-to-Go, an der Kasse stand eine lange Schlange Menschen. Plötzlich rannte aus dem Nichts eine blonde Frau an mir vorbei zur Kasse und beschimpfte die Kassiererin mit osteuropäischem Akzent: „Das ist eine Unverschämtheit, so bin ich noch nie behandelt worden!“ Die thailändische Kassiererin entgegnete ganz schockiert: „Was hab ich denn getan, ich habe sie doch gegrüßt und Ihnen einen schönen Tag gewünscht?“ Die Kundin drehte sich um, rannte ein Stück zur Seite und rief durch den Laden: „Das brauch ich mir nicht gefallen zu lassen, ich habe noch nie so eine unhöfliche Kassiererin erlebt, das ist eine Frechheit! Eine FRECHHEIT!“ Die Kassiererin, das muss man an der Stelle wissen, ist immer sehr höflich und korrekt.

Ein stämmiger Mann in Polizeiuniform, der mit zwei Brezen und zwei Kaffee in der Schlange anstand, mischte sich mit tiefer Stimme ein: „Entschuldigen Sie mal, ich kaufe hier jeden morgen ein, die Dame an der Kasse ist immer höflich, beruhigen Sie sich bitte.“ Die Kundin wutentbrannt: „So muss ich mich nicht behandeln lassen!“ Die Kassiererin: „Was habe ich denn getan?“ Der Polizist: „Jetzt beruhigen Sie sich bitte und gehen Sie einfach in die Arbeit!“ Die Kundin drehte sich zum Polizisten: „Was mischt du dich da denn ein, das geht dich gar nichts an! Ich red ja nicht von dir, mich hat sie so unverschämt behandelt!“ Der Polizist, mittlerweile leicht verärgert: „Erstens: Beim Du sind wir noch lange nicht, mit jemand wie Ihnen möchte ich nicht per Du sein. Und zweitens: Hören Sie jetzt auf damit!“ Die Kundin trotzig: „Du kannst mich mal! Das ist eine Sache zwischen mir und der Verkäuferin!“ Der Polizist sichtlich sauer: „Wenn Sie mir noch einmal so kommen zeig ich Sie an, dass des klar ist! Und jetzt schauen’s dass sie weg kommen!“ In dem Moment musste ich leider den Laden verlassen.

Draussen schlug mir kalte Winterluft entgegen und es wirkte trotz starkem Verkehr viel stiller. Die Trambahn fuhr gerade ein. Kaum war ich fünf Schritte weiter, flog hinter mir die Tür vom Bäcker auf, die Kundin brüllte: „Lass mich los! LASS MICH LOS!!!“ Der Polizist zog die Frau Richtung Auto. Die Trambahntüren öffneten sich, ich stieg ein. Die Kundin schrie über den ganzen Platz: „LASS – MICH – LOS!!!“ Die Trambahn fuhr los, direkt am Polizeiwagen vorbei. Die Frau stand tränenüberströmt zwischen zwei Polizisten und brüllte Unverständliches. Die Polizisten drückten Sie in das Auto. Die Trambahn fuhr um die Kurve.



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